Was sind uns unsere Daten wirklich wert? – Der Tragödie erster Teil

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Bild von “r2hox”

Es ist eine Diskussion, die seit Monaten durch unsere Gesellschaft geht und jedes Gespräch in eine hitzige Diskussion verwandeln kann. In den Medien erscheinen fast täglich Neuigkeiten und immer wird gegen die gleichen gehetzt: Die bösen Regierungen, denen es nicht mehr um das Wohl ihrer Bürger geht, sonder um… Ja, um was geht es den deutschen, amerikanischen oder britischen Regierungen eigentlich? Noch vor 2 Jahren kümmerte sich niemand um Datensicherheit, auch wenn damals schon einige Experten warnten, wie leichtsinnig auch mit intimen Daten umgegangen wird.
Doch dann kamen die Enthüllungen von Edward Snowden und der Aufschrei war groß – am größten war er hier in Deutschland. Wie kann es sein, dass amerikanische Geheimdienste uns unschuldige Deutschen ausspionieren? Und dann sogar noch unsere entzückende Kanzlerin? Unerhört! Dass deutsche Geheimdienste das auch machen, sei ein mal dahingestellt. Die machen das ja viel subtiler und sind bei weitem nicht so schlimm wie ihre amerikanischen und britischen Verwandten.

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Bild von XD-111

Jedenfalls wurden von Edward Snowden auf einmal die Augen der Deutschen geöffnet – vielleicht etwas zu weit. Von einem auf den anderen Tag äußerten sich selbst ernannte Experten, wie schlimm doch die Überwachung unser Daten sei und dass man sich doch direkt von allen Diensten verabschieden solle, die einem die Privatsphäre gefährden. Heißt: Facebook-Account löschen, Twitter und YouTube auch, Google sowieso und umsteigen auf Suchmaschinen, die Nutzerdaten nicht analysieren (also etwa DuckDuckGo). Nicht, dass Edward Snowden mit seinen Enthüllungen die Privatsphäre der Deutschen noch mehr gefährdete, es blieb alles beim Alten. Überwacht wurde schon seit Jahren sehr ausgiebig. Aber auf einmal beschwerten sich die Leute, dass die Nacktbilder, die sie auf irgendwelche ihnen unbekannten Server hoch luden, vielleicht von amerikanischen Geheimagenten angesehen werden konnten (und nein, ganz sicher werden sich keine amerikanischen Agenten der NSA an irgendwelchen privaten Bildern aufgeilen). Die beschriebene Panik war aber wirklich nur in Deutschland so hoch: Nirgendwo anders wurde auf einmal der sichere Messenger Threema so oft heruntergeladen, dass er in den Charts des App Stores monatelang auf Platz eins blieb. Und nirgends gingen die Medien, egal ob Fernsehen, Zeitung oder Radio, so stark, fast verschwörungstheoretisch, auf das Thema der Datensicherheit ein. Sobald ein bekanntes Unternehmen neue Nutzungsbedingungen vorstellt, werden diese förmlich zerrissen und jedes Wort, das irgendwie falsch interpretiert werden kann als Verletzung des Datenschutzes gesehen. Wenn Samsung seine Kunden freundlich darauf hinweist, dass seine Fernseher für die Sprachsteuerung die ganze Zeit deren Sprache aufnehmen müssen (was völlig logisch ist), erscheint auf allen Webseiten der großen Medien die große Meldung, dass Samsung seine Nutzer ausspioniert. Die Angst ist groß in Deutschland. Nicht nur die Angst vor unsicheren Daten, sondern auch die Angst vor dem Islam hat sich etwa in den letzten Wochen und Monaten gezeigt. Und bei beidem stellt sich die Frage, ob es denn wirklich so schlimm ist?

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Bild von Jonathan McIntosh

“Du willst doch auch nicht, dass deine Nachbarn über alle deine Daten Bescheid wissen und deine Passwörter kennen.” Das sind Worte, die ich schon öfter gehört habe, wenn es in Gesprächen um Datensicherheit geht. Nur ist an dieser Aussage ein großes Manko: Mein Nachbar weiß eben nichts von meinen sensiblen Daten und Agenten der NSA kennen mich eben nicht persönlich. Sollte also wirklich einmal ein Agent der NSA irgendwelche Daten aus der Datenbank aller gesammelten Daten picken, wird er diese nicht bestimmten Personen zuordnen können. Außerdem passieren solche spezifische Suchen sehr selten und man fällt nicht einfach so in das Schema der NSA, wenn diese nach Terroristen fahndet. Selbst wenn ein Hacker eine riesige Datenback an sich reißt, etwa geschehen bei Sony oder Walmart, wo Millionen von Daten gestohlen wurden, muss man sich keine Sorgen um die private Sicherheit zu machen. Daten werden verkauft, Kreditkartendaten vielleicht genutzt, um die Konten von Opfern leer zu räumen, aber niemals wird ein Hacker sich die Daten einer bestimmten Person heraussuchen, um diese dann privat zu terrorisieren.

Der Titel dieses Artikel ist “Was sind uns unsere Daten wirklich wert?”, und bisher habe ich diese Frage selbst noch nicht beantwortet. Jedoch wird jedem Leser dieses Beitrags auffallen, dass ich zu diesem Thema sehr liberal und vielleicht mehr amerikanisch als deutsch bin, wenn man das so sagen kann. Doch ich möchte, bevor ich im zweiten Teil dieses Artikels einmal zu einer etwas anderen, aber ganz meiner Meinung entsprechenden Antwort dieser Frage komme, dir selbst, lieber Leser, die Beantwortung dieser Frage überlassen: Was sind dir deine Daten wirklich Wert? Ohne dich von den Meinungen anderer beeinflussen zu lassen, was würdest du machen, damit deine Daten sicher sind? Und wie gehst du mit deinen Daten um? Gehst du mit deinen persönlichen Daten so um, wie du es für richtig hältst?

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Bild von Transformer 18

Zum Abschluss möchte ich noch eine Umfrage analysieren, die Carsten “Caschy” Knobloch auf seinem berühmt-berüchtigten Blog, dessen begeisterter Leser ich bin, gestellt hat: Es ging um die neue Facebook-AGB und ob Leser seines Blogs, die ich größtenteils als technikaffin bezeichnen würde, diese als gut empfinden. Ganz kurz: Die neuen AGB erlauben es Facebook, jedem Nutzer auf ihn zugeschnittene Werbung zu zeigen. Ich selbst sehe hier kein Problem, denn ich sehe doch lieber Werbung zu dem neuen Headset, das ich mir kaufen will als zur neuesten My Little Pony-Kollektion. Meine Daten werden von Facebook eh gesammelt und Werbung ist nunmal das Mittel, mit dem Facebook Geld macht. Und würde Facebook Geld kosten, wer würde es nutzen? Zu über einer Milliarde Nutzern wäre es niemals gekommen. Doch wie bereits geschrieben, möchte ich, dass du dir eine eigene Meinung bildest, meine Meinung bekommst du im zweiten Teil dieses Artikels auf dem silbernen Teller präsentiert.
Jedenfalls zeigt der Ausgang der Umfrage ganz gut, was ich bereits verdeutlicht habe: Die meisten der Befragten finden die neuen AGB schlimm und/oder nutzen sogar kein Facebook. Gerne würde ich diese Menschen einmal fragen, was sie denn genau an den AGB stört und warum personalisierte Werbung für sie schlecht ist. Nur ein kleiner Teil der Befragten empfindet die AGB als gut und ist an personalisierter Werbung erfreut.

Caschys Blog Web, Software, Hardware, Mobile Computing   Co
Screenshot von stadt-bremerhaven.de

 

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2 Kommentare

  1. mami oki sagt:

    Und toller Artikel ☺

  2. mami oki sagt:

    Ich liebe deine Website

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