Sein letztes Rennen – Sport ist nicht gleich Mord!

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Es ist nicht üblich, dass ich nach einem Kinofilm noch den ganzen Abspann abwarte, bevor ich mich aus dem Saal begebe. Und noch seltener sieht man, dass nach einem Kinofilm wirklich das gesamte Publikum sitzen bleibt, bis auf der Leinwand das Wort “Ende” erscheint.
Doch genau das erlebte ich bei dem Kinofilm “Sein letztes Rennen”, den ich letzten Samstag gesehen habe.

(Wer den Film noch nicht gesehen hat bzw. noch sehen möchte, sollte zum Kommentar übergehen)
Gespielt vom legendären Comedian Dieter “Didi” Hallervorden lebt hier Paul Averhoff, eine Marathonlegende aus den 50er Jahren, zusammen mit seiner Frau Margot in deren gemeinsamen Haus. Als diese mehrmals hintereinander stürzt, müssen die beiden auf Wunsch der Tochter, wenn auch eher unfreiwillig, in ein Altenheim ziehen. Da Averhoff das ständige “Kastanienmännchen-Basteln” allerings zu langweilig ist, holt er kurzerhand seinen Trainigsanzug aus dem Koffer und beginnt wieder zu Laufen.

Anfangs noch nicht von seiner Frau unterstütz, beginnen sich immer mehr Bewohner des Heims für Averhoff zu interessieren. Irgendwann findet dann ein ehemaliger Fan heraus, mit wem sie es zu tun haben und es bricht nach und nach, etwa während des Gottesdienstes, immer wieder Chaos aus, weil sich die Heimbewohner über den etwas anderen Heimbewohner, der das Ende noch nicht akzeptieren will, den Kopf zerbrechen.
Auf Nachfrage antwortet Averhoff, er wolle einen Marathon laufen. Anfangs ernten er und seine Frau dafür Gelächter, doch nach und nach sympathisieren die anderen Bewohner die beiden.
Es kommt zu einem Wettlauf mit einem der Pfleger, bei dem sich allerdings viele der zuschauenden Bewohner eine Lungenentzündung wegen des Windes holen.

Das Laufen soll ihm also verboten werden und es kommt sogar ein psychologischer Gutachter ins Heim.
Man stellt fest, dass Averhoff eine Angst vor dem Tod entwickelt hat. Dieser will aber einfach nur Laufen und macht nicht viel aus dem Gutachten.

Es kommt zu der Flucht der beiden, woraufhin sie bei ihrer Tochter wohnen. Averhoff will weiterhin auf dem marathon laufen und kann sich, da er bereits unter 2:40h gelaufen ist, noch nachmelden.
Er trainiert also weiterhin und wird sogar ins Fernsehen eingeladen. Ganz Deutschland Spricht über das Comeback des Jahres. Es kommt zum unerwarteten Tod Averhoffs Frau, doch ein Versprechen an seine Frau treibt ihn weiter an.

Am Marathontag sind dann wirklich alle im Stadion, sogar sein Kritiker aus dem Altersheim, der gar alles organisiert hat. Auch Averhoffs Tochter, die über seine Teilnahme im Fernsehen erfahren hat, ist mit ihrem Freund im Stadion.

Kommentar
Erwartet man von Averhoff natürlich sein großes komödiantisches Talent, so kann er aber auch die tragischen Momente im Film sehr gut schauspielern. Es dürfen natürlich nicht die lustigen Szenen fehlen, so gibt es gleich anfangs einige lustige Kommentare von Averhoff zu hören. Durch das Altersheim und den Tumor von Averhoffs Frau ist jedoch auch der Tod ein großes Thema in “Sein letztes Rennen”.
Es gibt fast theatralische Abfolgen von lustigen zu traurigen Szenen. Gibt Averhoff in der einen Szene noch ein freches Kommentar von sich, wird man in der nächsten mit dem Tod im Altersheim und der Angst vor dieser konfrontiert.

Die Bilder sind, vor allem im Weitwinkel, erstaunlich gut gelungen und ich muss sagen, dass ich selten in einem deutschen Film eine so gute Kameraführung gesehen habe. Der Regisseur Kilian Riedhoff hat wirklich gut Arbeit geleistet, auch die Kombination der Farben und Lichteffekte ist sehr gut gewählt. Vor allem der gelbe Trainingsanzug Averhoffs bleibt einem noch länger im Kopf.
An sich ist der Auftritt der beiden Averhoffs in dem Film sehr schön anzusehen, geradezu kindisch verhalten sich die beiden, wenn sie sich Händchen haltend zusprechen, immer füreinander da zu sein.
Sie geben sich beide Kraft und halten zueinander, auch wenn sie einmal Meinungsverscheidenheiten haben.
Das schauspielerische Talent ist allgemein zu loben.
Alle Bewohner des Altenheims haben eine eigene individuelle Persönlichkeit, die es einem als Zuschauer ermöglicht, sich das Geschehen sehr gut vorstellen zu können.

Erstaunlich ist auch die Wahl der Nebendarsteller: Gleich zu beginn kommt einem (zumindest mir) außer Averhoff eine weitere Person bekannt vor: Birgit Averhoff, die Tochter, wird gespielt von Heike Makatsch, die ja ebenfalls keine Unbekannte im deutschen Fernsehen ist. Eine weitere Nebenrolle mit bekannter Besetzung ist die des Psychologen, der von Jörg Hartmann gespielt wird, bekannt vor allem aus dem Tatort.

Sehr schön auch die Auftritte Averhoffs in der Sendung “Beckmann” und die Liveberichterstattung während des Marathons. Erstere geführt vom echten Reinhold Beckmann, letztere vom echten Matthias Opdenhövel.

Es gibt auch einige sehr zum Nachdenken anregende Szenen, die mich vor allem in dem Sinn berührten, dass sie leicht in das eigene Leben zu übertragen sind.
Für mich als Läufer waren die Momente, in denen Averhoff durch seine sportliche Leistung Erfolge erzielt, somit umso ergreifender.

Alles in allem ist “Sein letztes Rennen” ein wirklich sehr guter Film, den man auf jeden Fall gesehen haben sollte. Egal, ob man schon im Altersheim ist oder gerade erst laufen gelernt hat.
Denn der Film beweist: Laufen kann jeder!

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