Buga Mannheim 2023 – Ein Kommentar

Nun ist es nicht einmal mehr eine Woche bis zur Bundestagswahl am 22. September. In Mannheim wird an diesem Tag nicht nur eine neue (alte?) Regierung gewählt, sondern es wird auch einen Bürgerentscheid geben zur Bundestagswahl 2023. Bei diesem Entscheid wird es zwei eigentlich einfache Antworten auf die Frage geben, ob denn im Jahr 2023 eine Bundesgartenschau stattfinden soll: Ja oder Nein.
Doch so einfach ist diese Frage nicht zu beantworten, denn es gibt sehr große Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Mannheimer Bürgern. Da ich auch schon bei einer Veranstaltung bezüglich der “Buga” teilgenommen habe und in einigen Diskussionen auch erfahren habe, dass es anscheinend einiges an Fehlinformation diesbezüglich gibt, möchte auch ich noch einmal vor diesem Entscheid meine Meinung dazu abgeben.

Vorab sei gesagt, dass ich definitiv für die Buga bin, auch wenn mich einige Gegner schon dazu bringen versuchten, meine Meinung zu verändern. und es gibt auch einige ganz einfache Gründe für meine Meinung:
Ich finde, dass Mannheim bereits eine sehr schöne Stadt ist und als gebürtiger Mannheimer bin ich stolz auf meine Stadt und auch ihre vielen berühmten Kinder. Doch leider ist Mannheim in anderen Teilen Deutschlands immer noch als Migranten- und Arbeiterstadt bekannt, wie ich unter anderem von einigen Volunteers aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands beim Turnfest vor ein paar Monaten erfahren habe. Wegen dieses Images gibt es viele, die nie freiwillig nach Mannheim reisen würden. und das könnte sich durch eine Aufbesserung Mannheims durch eine Buga ändern. Nicht nur dass ganz Deutschland auf Mannheim aufmerksam werden würde, auch Durchreisende würden vielleicht einen besseren Blick auf die Stadt werfen.
Außerdem finde ich die Idee schön, später einmal mit meinem Fahrrad von meinem Zuhause in Käfertal durch eine grüne Landschaft bis in die Innenstadt fahren zu können.

Das größte Argument der Gegner bezüglich der Gartenschau ist das Geld: Mehr als 100 Millionen soll das Ganze kosten, und mit Blick auf Projekte wie BER und Stuttgart 21 hat man natürlich schnell das doppelte vor Augen. Aber wenn man bedenkt, das die Vorbereitungen für die Buga schon nächstes Jahr beginnen werden und damit 9 Jahre dauern, währen das pro Jahr nur etwas über 10 Millionen Euro. Das ist nur ein Bruchteil dessen, was Mannheim jährlich in die Schulen steckt. Auch hier wären wir bei einem Argument, das ich gleich noch einmal aufgreifen werde. Klar, Mannheim hat schon Schulden, aber die macht die Stadt auch so mit der Konversion. Denn die Konversion, also die Umgestaltung der Militärflächen, die Mannheim jetzt von der US Army zurückbekommt, ist sowieso eine wichtige städtebauliche Aufgabe für Mannheim in den nächsten Jahren. Und aus den Vorschlägen für diese Konversion heraus (die ja von Mannheimer Bürgern kamen) kam auch die Idee für eine Buga. Und jetzt stellen sich auf einmal doch so viele entgegen, dass es zu einem Bürgerentscheid kommen muss. Doch natürlich finde ich so etwas richtig, denn so geschieht das, was die Mehrheit der Mannheimer will. Doch die müssen dann auch richtig informiert sein, und das sind im Moment nicht alle.
Noch einmal kurz zum Geld: Durch Zuschüsse wird Mannheim einen Teil des benötigten Geldes erhalten (ich will nicht über konkrete Zahlen diskutieren müssen), und da für die Gestaltung der Buga die Militärflächen miteinbegriffen werden, kann dieses Geld indirekt auch für die Konversion genutzt werden. Außerdem wird es in den etwa 160 Tagen der Buga auch Eintrittsgelder geben, die ebenfalls noch einmal den Verlust an Geld senken werden. Betrachtet man den ökologischen Gewinn für Mannheim aus der Buga, so sind die Kosten dann doch relativ gering.

Noch einmal zu den Schulen: Hier wird oft behauptet, dass Geld für die Buga solle doch lieber in Schulen gesteckt werden. Was hier nicht beachtet wird, ist, dass dieses Geld auch ohne Buga überhaupt nicht für Schulen vorgesehen wäre. Mannheim bessert jedes Jahr einige Schulen auf, doch bei mehr als 100 Schulen dauert es eben Jahre , bis alle zum Teil 100 Jahre alte Schulen renoviert sind. Bei Kosten in Millionenhöhe pro Schule können jährlich eben nur wenige Schulen renoviert werden. Ein gutes Beispiel ist das Peter-Petersen-Gymnasium, das seit kurzem einen Neubau hat. Diese Schule war auch ein Renovierungsfall und die Stadt hat hier ihr bestes getan. Das wird auch mit allen anderen Schulen geschehen in den nächsten Jahren, mit oder ohne Buga.

Als letzes komme ich noch zu einem Argument, dass ich bei vielen gehört habe, die direkt von der Buga betroffen sind. Sie denken, ihnen wird etwas weggenommen oder zerstört. Ein Beispiel hierfür sind die Gartenbesitzer in der Käfertaler Au, die ja ein Hauptteil der Buga sein wird. Hier denken viele, ihnen werde der Garten zerstört und ich habe sogar von dem Gerücht gehört, er wird verpflichtend von der Stadt abgekauft. Dies ist ein Gerücht, wahrscheinlich von Buga-Gegnern in Umlauf gesetzt, denn wie die Stadt ausdrücklich betont, werden die Gärten nur für die Buga öffentlich sein und für ein Urban Gardening-Projekt (aus dem Englischen “Urbaner Gartenbau”, landwirtschaftliche Nutzung städtischer Flächen, bei der Buga für die Öffentlichkeit) genutzt werden, danach aber dürfen die Gartenbesitzer in ihre alten Gärten zurückkehren. Eine kleine Entschädigung wird es bestimmt trotzdem geben, aber auf jeden Fall werden die Gärten nicht verschwinden.

Fast hätte ich das letzte Argument vergessen: Wir haben doch schon zwei Parks, die gepflegt werden müssen. Richtig! Und das werden sie auch! Unsere beiden Stadtparks, einer davon “eine der schönsten Parkanlagen Europas”, sind beide Eigenbetriebe und erwirtschaften Geld durch kostenpflichtigen Eintritt. Mit diesem Geld werden die Parks erhalten, auch wenn es Zuschüsse der Stadt geben mag.
Bezüglich der Parks gibt es nun Ängste:
Die Angst, auch in den neuen Buga-Parks müsse man Eintritt zahlen.
Die Angst, die neuen Parks oder die alten Parks oder sogar beide werden vernachlässigt.

Hierzu kann ich nur sagen: Ich glaube nicht, dass es einen kostenpflichtigen Eintritt für die neuen Parks nach der Buga geben wird. Denn der Eintritt für den Luisenpark nach der Buga 1975 (übrigens mit 8 Mio. Besuchern eine der bestbesuchten aller Zeiten) war von den Mannheimer Bürgern gewollt, und da wir schon zwei kostenpflichtige Parks haben, wird es so einen Entscheid nicht nochmals geben. Außerdem werden die neuen Parks mitten in der Stadt sein und so macht es keinen Sinn, diese zu umzäunen, da das ja wieder der Aufwertung Mannheims entgegen wirken würde.
Zu der Angst vor Vernachlässigung: Da wir ja schon zwei Parks und damit auch große Erfahrung haben, denke ich nicht, dass ein paar kleinere Parks mehr einen größeren Aufwand aufbrächten, ohnehin gibt es in Mannheim viele Parks, die schon gepflegt werden. Ein paar Landschaftsgärtner mehr würden außerdem auch Arbeitsplätze schaffen, und hieran denkt bei der aktuellen Diskussion keiner.

Meine Meinung hätte ich somit jetzt einmal offen gelegt. Letztendlich soll sich natürlich jeder seine eigene Meinung bilden, ihr könnt dazu auch gerne die Kommentarfunktion nutzen!

Damit an alle Mannheimer/innen viel Spaß beim Bürgerentscheid!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: